Demenz in der Welt

Unser Weltbild bestimmt und begrenzt unsere Wahrnehmungsfähigkeit. Wir haben gelernt, auf eine bestimmte Art zu denken. Und dieses Denken bestimmt unsere Wirklichkeit.
Ein Blick auf den Umgang mit dem Thema Demenz in anderen Kulturen öffnet den eigenen Horizont und lässt unsere Art, darüber zu denken in einem neuen Licht erscheinen.
Es werden im Folgenden jedoch nicht nur positive Ansätze aufgezeigt.

Karte: Allianz 1890

                                                                                             (Illustration: Bernd Schifferdecker)

Süden Ecuadors
Im »Tal der Hundertjährigen« leben viele hochbetagte Menschen. Von Demenz hat hier noch nie jemand etwas gehört. Das liegt nicht daran, dass man Symptome wie Vergesslichkeit, Verwirrtheit und plötzliche Gefühlsausbrüche nicht kennt – sie fallen nur keinem auf. Schon gar nicht als krankhaft. Alten Menschen gegenüber zeigen die Jüngeren Respekt und Toleranz.

Ozeanien 
Im Osten Neubritanniens empfindet man große Dankbarkeit den schwachen Alten gegenüber. Wer seine geistigen Fähigkeiten verliert, so glaubt man dort, hat sie an die eigenen Kinder abgegeben. 
Auf der polynesischen Insel Niue bedeuten die Symptome der Demenz eine Phase des Übergangs in die Welt der Ahnen.  Sehr alte und gebrechliche Menschen, die sich merkwürdig verhalten, werden deshalb weder gepflegt noch versorgt , damit die Betroffenen ungestört ihren Weg zu den Ahnen finden.

Türkei 
Das Schicksal eines senilen Menschen, bei dem »das Gehirn ins Wackeln gekommen ist«, wird als gottgewollt angenommen. In der Regel wird die Person in der Familie betreut. 

Namibia 
In den traditionell lebenden ethnischen Gruppen Namibias ist die Achtung vor den Alten hoch. Sie gelten als Magier, Seher. Wer sich allerdings aggressiv verhält, der gilt als vom »bösen Geist« besessen und wird auch schonmal von der Gemeinschaft in die Wildnis vertrieben.

Südkorea
Etwa neun Prozent der über 65-Jährigen Südkoreaner sind von Demenz betroffen. Die Bevölkerung altert rapide. Dank eines nationalen Aktionsplans wurden schon Tausende von Südkoreanern zu »Demenz-Unterstützern« ausgebildet und jeder Schüler weiss, wie er mit Menschen mit Demenz umgehen soll. In jeder Kleinstadt hat es Diagnostik-Zentren und Pflegeheime.

Australien 
In traditionell lebenden Aborigine-Stämmen Australiens wird geistige Verwirrtheit nicht als Problem wahrgenommen. Die Betroffenen sind weiter in den Alltag eingebunden, sie kochen, pflegen Kinder, hüten Tiere. Bei sehr weit fortgeschrittenen Symptomen schlägt die Stimmung allerdings um, und der Mensch wird mitsamt dem »bösen Geist« in den Busch vertrieben.